Rüstungsbunker Maribor Junkers Werke
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Rüstungsbunker, Maribor

Was haben Wiener Neustadt, das tschechische Brünn und Graz gemeinsam? Überall dort sollten zu Beginn des zweiten Weltkrieges Rüstungsfabriken der Junkers Flugzeugwerk AG entstehen, um Hitlers Feldzüge in alle Himmelsrichtungen mit Kampfbombern vorbereiten zu können.

In Graz befand sich allerdings mit der Steyr Daimler Puch AG bereits ein großes Rüstungswerk, das zudem um die raren Arbeitskräfte buhlte. Daher überzeugten die Grazer den Flugzeughersteller kurz nach der Okkupation Sloweniens im Jahr 1941, die Fabrik nach Maribor zu verlegen. Sie nahm unter dem Namen „VDM – Luftfahrtwerke Steiermark“ 1941 ihren Betrieb auf.

Maribor statt Graz

Bereits kurz nach der Besetzung der Untersteiermark im April 1941 wurde mit dem Bau der Rüstungsfabrik im Süden Maribors – damals ein ausgedehntes Waldgebiet – begonnen. Es sollten Propeller für den gefürchteten Kampfbomber JU87 und die Messerschmitt Bf109 gebaut werden – bis zu 1.800 Stück pro Jahr.

Angesichts der Bedrohung der Alliierten war die Fabrik in ständiger Gefahr. Daher beschloss Reichsrüstungsminister Albert Speer, Teile der Produktion in den Untergrund zu verlegen. Architekt Alfred Ernst Rosenberg wurde mit der Planung einer unterirdischen Produktionsstätte in unmittelbarer Nähe der oberirdischen Fabrik betraut.

15 Meter unter der Erde

Rosenberg plante also eine rund 8.500 m² große, dreiteilige Anlage, 15 Meter tief unter der Erde. Der erste Teil ist heute durch einen einzigen verbliebenen Zugang zugänglich, die zwei anderen Teile wurden überbaut – und damit für immer konserviert. Der zugängliche Teil umfasst neun Längs- und vier Quergänge, wobei der oberste Quergang nach Kriegsende nicht mehr umgesetzt wurde. Insbesondere die Fräsarbeiten für die Propeller wurden in den Untergrund verlegt. Die Arbeitsbedingungen waren prekär – es war heiß, es herrschte schlechte Luft, und es gab keine vernünftigen Sanitäreinrichtungen. Neben bezahlten ArbeiterInnen mussten auch ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene hier ihren Beitrag leisten.

TAM-Automobilwerke

Nach Kriegsende wurden die ArbeiterInnen ohne Umschweife anderen Tätigkeiten zugeteilt. Aus dem Maschinenpark und der Infrastruktur entstand das legendäre TAM (Tovarna Automobilov in Motorjev)-Werk, das noch bis 2011 LKWs und Busse insbesondere für den osteuropäischen Raum produziert hat.

Heute befindet sich über den Bunkeranlagen eine ausgedehnte, schmucklose Industriezone, die immer noch von Nachfolgefirmen der Junkers-Fabrik verwaltet wird.

Wo befinden sich die Bunkeranlagen der Junkers-Rüstungsfabrik in Maribor?

Die weitläufigen Bunkeranlagen liegen unter einer Industriezone (Cona Tezno) im Süden Maribors.

Wo kann man die Bunkeranlagen besichtigen?

In der Cesta k Tamu 27 befindet sich in einem Hinterhof ein Container, neben dem es direkt in die Unterwelt hinab geht. Die Stelle ist auf Google Maps unter „Rovi Tezno – Cona Tezno“ verzeichnet, aber ein wenig schwer zu finden. Die Einfahrt befindet sich in der Perhavceva ulica, neben dem Gebäude der Firma Messer Gase.

Wo finde ich Informationen zu Führungen?

Alle notwendigen Informationen finden sich auf www.rovi-tezno.si, allerdings nur auf Slowenisch (Browser-Übersetzer verwenden). Sonntags um 10 Uhr finden Führungen statt, für die man sich direkt auf der Webseite anmelden kann. Der Eintritt kostet 12 Euro pro Person (bei Einzelbuchung).

Was sind die Highlights der Führung?

Abgesehen vom beklemmenden Gefühl in den langen, dunklen Gängen – die Guides zeigen auch (nicht ganz jugendfreie) Zeichnungen der ArbeiterInnen sowie Fotos, die das große Ausmaß der Anlage erahnen lassen. Die Beschriftungen der durchaus interessanten Fotos sind leider nur auf Slowenisch. Eher gruselig ist die Kopie eines NS-Arbeitsbuches eines slowenischen jungen Mannes, der direkt von der Fabrik zum Einsatz an der Front „beurlaubt“ wurde und leider wenige Monate danach gefallen ist.

Wie kann ich öffentlich anreisen?

Vom Grazer Hauptbahnhof verkehren regelmäßig Züge nach Maribor, vom Murpark aus gibt es auch eine Busverbindung. Um in die Industriezone zu gelangen, nimmt man den regionalen Bus (mehrere Möglichkeiten). Dann ist ein kleiner Fußmarsch notwendig.

Wo befindet sich die nächstgelegene E-Auto-Ladestation?

Diese findet sich beim Mega M-Markt in der Cesta k Tamu (max. 22 kW), nur wenige Gehminuten vom Führungsstart entfernt.

Wo finde ich noch weitere spannende und verborgene Orte in der Untersteiermark?

Mit diesem Link gelangst du zu weiteren Vorschlägen für deine Erkundungstour in der Untersteiermark.

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