Römersteinbruch Aflenz Gänge
Geheimnisvolles,  Geschichte,  Gruseliges,  Südsteiermark

Römersteinbruch, Aflenz

Schon die Römer haben den weichen Kalkstein der Uferzone des frühzeitlichen Korallenriffs, das die gesamte Südsteiermark bedeckt hat, zu schätzen gewusst und für den Bau ihrer Tempel und Badehäuser genutzt. Kalkstein aus Aflenz findet sich außerdem auf dem Stephansdom in Wien, am Landhaus in Graz und zahlreichen anderen repräsentativen Gebäuden in Österreich. Auch heute noch wird das gut bearbeitbare Gestein für Restaurierungsarbeiten geschätzt – was den Römersteinbruch zum ältesten noch in Betrieb befindlichen in ganz Österreich macht.

Vom Ruhm zum Albtraum

Nicht an der feinen Verarbeitbarkeit des Gesteins interessiert waren hingegen die NS-Schergen, sondern eher daran, die bereits bestehenden unterirdischen Gänge zum Schutz ihrer Rüstungsindustrie zu nutzen und in kurzer Zeit noch erweitern zu können.

2000 Häftlinge – auch aus dem Außenlager Peggau herangeschafft – erweiterten die unterirdische Hallen, in 12-Stunden-Schichten und bei mangelhafter Ernährung. „Untergebracht“ wurden sie in einem nur wenige hundert Meter entfernten KZ-Lager, von dem heute noch das Wächterhaus als Mahnmal steht. 78 Todesfälle in nicht ganz einem Jahr wurden dokumentiert. Viele davon wurden in einem Massengrab nur wenige hundert Meter vom Lager entfernt verscharrt, das erst viele Jahrzehnte später wiederentdeckt wurde.

Obwohl die Bevölkerung bei Todesandrohung angewiesen wurde, keinen Kontakt zu den Häftlingen aufzunehmen, sind zahlreiche Akte der Nächstenliebe überliefert, insbesondere von der Familie Trampusch, die ihren Hof direkt neben dem Lager betrieben hat. Von ihnen stammen auch umfassende Zeitzeugenberichte (unter anderem direkt im Steinbruch), die einen das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Anfang April 1945 wurde das Lager verlassen, die verbleibenden 467 Häftlinge wurden in einem langen Marsch zum KZ Ebensee getrieben, wo allerdings nur 407 von ihnen ankamen.

Friedliche Nutzung

Nach Kriegsende verhinderten die britischen Besatzer die Sprengung des unterirdischen Steinbruchs, um der ansässigen Bevölkerung eine wirtschaftliche Tätigkeit ermöglichen zu können.

Neben dem Gesteinsabbau wird das sehr weitläufige unterirdische Gelände heute unter anderem für Veranstaltungen genutzt. Konzerte, Autopräsentationen, Theateraufführungen, Geburtstagsfeiern – alles ist bei konstanten 8°C Umgebungstemperatur möglich!

Nur etwa zwei im Laufe von fast 2000 Jahren wurde der Steinbruch einem äußerst düsterem Zweck gewidmet. Dennoch sollte diese Zeit nicht vergessen werden. Daher bieten Freiwillige des Mauthausen Komitees regelmäßig Führungen durch die unterirdische Welt an – auch für Schulklassen. Nicht nur wegen der bewegenden Geschichte, auch wegen der einzigartigen Einblicke ins Bergbauwesen sollten man sich eine solche Führung nicht entgehen lassen!


Wo befindet sich der Römersteinbruch genau?

Der Steinbruch befindet sich auf der Retzneier Straße zwischen Aflenz und Unterlupitscheni (Retzneier Straße 11, 8435 Wagna). Er ist auf Google Maps verzeichnet und es gibt einen ausreichend großen Parkplatz in unmittelbarer Nähe, der auch angeschrieben ist.

Was macht den Römersteinbruch so besonders?

Abbauarbeiten haben dort bereits zur Römerzeit stattgefunden. Das Gestein wurde in das nahegelegene Verwaltungszentrum Flavia Solva gebracht und für den Bau der schönsten Tempelanlagen sowie des Amphitheaters verwendet, da es sehr weich und gut bearbeitbar, aber dennoch witterungsbeständig ist. Im Steinbruch kann man noch einen Abbaustollen aus der römischen Zeit besichtigen.

Wo findet man heute noch den Stein aus Aflenz?

Der Aflenzer Stein ziert nicht nur den Stephansdom in Wien und die Arkadengänge des Grazer Landhauses, viele repräsentative Gebäude der Antike und Neuzeit wurden mit dem Gestein aus der Südsteiermark verziert. Für Restaurierungsarbeiten – beispielsweise an der Wiener Staatsoper oder dem Schloss Belvedere – wird auch heute noch gerne auf den Aflenzer Stein zurückgegriffen.

Wem gehört der Römersteinbruch?

Seit den 1980er Jahren wurde der Steinbruch von der Firma Stein von Grein aus Graz bewirtschaftet. Heute ist er im Besitz von Heimo Ecker-Eckhofen, gleichzeitig Besitzer des Schlosses Spielfeld und des Steinbruchs in Weitendorf, der zu einem Wärmespeicher für die Fernwärmeversorgung von Graz umgebaut werden soll.

Was wurde in der NS-Zeit im Steinbruch produziert?

Ab 1943 wurden Teile der Rüstungsindustrie der Steyr-Daimler-Puch-Werke in Graz in den Steinbruch verlegt. Zahnräder und Kurbelwellen wurden dort von den KZ-Häftlingen gefertigt.

Wie wird der Steinbruch heute genutzt?

Noch immer wird Gestein abgebaut, hauptsächlich für Restaurierungsarbeiten. Daneben werden die Stollen für Veranstaltungen aller Art genutzt, vor allem die Akustik soll einzigartig sein. In unregelmäßigen Abständen finden öffentliche Führungen statt, außerdem auch für Einzelpersonen und Gruppen (auch Schulklassen) auf Anfrage. Sie sind gratis. Kontaktinformationen finden sich unter diesem Link.

Wie kann ich öffentlich anreisen?

Von Leibnitz aus verkehren die Buslinien 619 und 780, die Haltestelle Aflenz an der Sulm/Kapelle befinden sich in unmittelbarer Nähe des Steinbruchs und des Wächterhauses.

Wo befindet sich die nächstgelegene Ladestation für E-Autos?

Diese befindet sich in Gamlitz, etwa 4,5 km entfernt (Obere Hauptstraße 3, 11 kW).

Welche spannenden und verborgenen Orte kann ich in der Südsteiermark noch besuchen?

Weitere Tipps für deinen Erkundungstrip in der Südsteiermark findest du unter diesem Link.

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