Wächterhaus KZ Aflenz
Geschichte,  Gruseliges,  Südsteiermark

Wächterhaus, Aflenz

Südlich von Wagna lässt sich eintauchen in die dunkle Seite der Südsteiermark. Mitten im Ort Aflenz unweit der Sulm befand sich zum Ende des 2. Weltkrieges hin mit dem Lager Aflenz (oder Graz-Leibnitz) ein Außenlager des KZ Mauthausen – eines von über 40. Beherbergt hat das Lager Zwangsarbeiter vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen, die den nahegelegenen Römersteinbruch umbauen sollten, um die Rüstungsproduktion der Steyr-Daimler-Puch AG in Graz Thondorf unterzubringen.

Waffen aus dem Steinbruch

Der schon zu Römerzeiten betriebene Muschelkalksteinbruch schien dafür wie geschaffen. Dazu musste er aber mühsam erweitert werden. 2000 Häftlinge – auch aus dem Außenlager Peggau herangeschafft – errichteten unterirdische Hallen, in 12-Stunden-Schichten und bei mangelhafter Ernährung. 78 Todesfälle in nicht ganz einem Jahr wurden dokumentiert. Viele davon wurden in einem Massengrab nur wenige hundert Meter vom Lager entfernt verscharrt, das erst viele Jahrzehnte später wiederentdeckt wurde. Anfang April 1945 wurde das Lager verlassen, die verbleibenden 467 Häftlinge wurden in einem langen Marsch zum KZ Ebensee getrieben, wo allerdings nur 407 von ihnen ankamen.

Wächterhaus als letzter Zeuge

Von den einstigen Baracken des Lagers ist nichts übrig. Einzig das gemauerte „Wächterhaus„, direkt an der Aflenzer Straße, zeugt noch von seiner Existenz. Das verfallene Gebäude wurde im Rahmen einer Kunstaktion belebt und mit Infotafeln ausgestattet. Besonders hervorzuheben: neben dem Gebäude befindet sich eine kleine Infobox, der man ein kleines Informationsbüchlein in vier Sprachen kostenlos entnehmen kann. Darin befinden sich nicht nur Texte und Fotos zum Lager, sondern auch Interviews mit Zeitzeugen, die die LeserInnen erahnen lassen, welch schreckliche Geschichte diese heutige Idylle zu erzählen weiß.

Weitere spannende Plätze in der Südsteiermark findest du hier!


Anreise

Mit dem Auto:

Navi-Adresse: Aflenzer Str. 19-17, 8435 Wagna

Nächster E-Ladepunkt: Obere Hauptstraße 3, 8462 Gamlitz (11 kW, 4,5 km entfernt)

Öffentlich:

Buslinien 619 und 780 ab Leibnitz, Haltestelle Aflenz an der Sulm Kapelle

2 Kommentare zu „Wächterhaus, Aflenz“

  1. Avatar von Gluschitsch

    Dazu musste er aber mühsam erweitert werden. 2000 Häftlinge – auch aus dem Außenlager Peggau herangeschafft – errichteten unterirdische Hallen

    Nach meinen Unterlagen waren max 900 Häftlinge in Aflenz mit den Ausbauarbeiten – Kanal,Wasser, Strom, Stützmauern beschäftigt! die restlichen 1100 waren zivile Arbeiter der Steyr-Daimler-Puchwerke

    „Mit dem strategischen Luftkrieg der Alliierten, der ab Sommer 1943 auch Industrieziele auf österreichischem Gebiet umfasste, begannen bei der SDPAG die Planungen zum Schutz der Produktion durch Verlagerung in unterirdische Räume. Für das Werk Graz-Thondorf hatte man am schnell-sten einen Standort gefunden. Die Kurbelwellen- und Getriebezahnräder- produktion sollte in den Römersteinburch Aflenz verlegt und bis Juli 1944 8000 qm unterirdische Fläche unter dem Tarnnamen „Kalksteinwerke‟ bezugsfertig gemacht werden. Ab Sommer 1944 wurde bei Peggau nördlich von Graz eine weitere Stollenanlage unter Einsatz von KZ-Häftlingen für die SDPAG errichtet. Aus dem Grazer Werk wurden in der zweiten Jahreshälfte 1944 etwa 1060 Werkzeugmaschinen in die unterirdische Fabrik nach Aflenz verlegt, etwa 2000 Personen arbeiteten fortan im Römersteinbruch. Ein Großteil der zivilen Beschäftigten war in einem Barackenlager westlich der unterirdischen Fabrik untergebracht.!

    „Für die Arbeit im Stollenbau und später auch in der Produktion wurden insgesamt mindestens 901, maximal 920 Häftlinge mehrheitlich aus Mauthausen in das Lager eingewiesen, 197 Häftlinge kamen aus dem Außenlager Wiener Neudorf und 66 aus dem Außenlager Peggau. Den absoluten Höchststand erreichte das Lager im September 1944 mit 711 Häftlingen. Mit der Aufnahme der Produktion wurde die Zahl der Häftlinge allmählich um mehr als ein Viertel verringert, diese wurden zum Stollenbau in das Lager Peggau überstellt. Rund 50 Häftlinge wurden nach Mauthausen rücküberstellt, vermutlich erschöpfte und daher nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge, die dort nur geringe Überlebenschancen hatten.
    Immer wieder versuchten Häftlinge, aus dem KZ zu entfliehen, insgesamt sind für Aflenz sechs Fluchtversuche registriert worden, mit welchem Erfolg ist nicht bekannt.“ aus http://www.waechterhunaus.at/home.php?il=5&l=deu

    Der untertägige Steinbruch kann gegen Voranmeldung im Marktgemeindeamt Wagna und damit verbundener Terminvereinbarung besichtigt werden!

  2. Avatar von Iris Martinz

    Hallo, danke für die Präzisierung! Die Zahl habe ich aus dem kleinen Büchlein, das am Wächterhaus aufliegt.

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2 Kommentare

  • Gluschitsch

    Dazu musste er aber mühsam erweitert werden. 2000 Häftlinge – auch aus dem Außenlager Peggau herangeschafft – errichteten unterirdische Hallen

    Nach meinen Unterlagen waren max 900 Häftlinge in Aflenz mit den Ausbauarbeiten – Kanal,Wasser, Strom, Stützmauern beschäftigt! die restlichen 1100 waren zivile Arbeiter der Steyr-Daimler-Puchwerke

    „Mit dem strategischen Luftkrieg der Alliierten, der ab Sommer 1943 auch Industrieziele auf österreichischem Gebiet umfasste, begannen bei der SDPAG die Planungen zum Schutz der Produktion durch Verlagerung in unterirdische Räume. Für das Werk Graz-Thondorf hatte man am schnell-sten einen Standort gefunden. Die Kurbelwellen- und Getriebezahnräder- produktion sollte in den Römersteinburch Aflenz verlegt und bis Juli 1944 8000 qm unterirdische Fläche unter dem Tarnnamen „Kalksteinwerke‟ bezugsfertig gemacht werden. Ab Sommer 1944 wurde bei Peggau nördlich von Graz eine weitere Stollenanlage unter Einsatz von KZ-Häftlingen für die SDPAG errichtet. Aus dem Grazer Werk wurden in der zweiten Jahreshälfte 1944 etwa 1060 Werkzeugmaschinen in die unterirdische Fabrik nach Aflenz verlegt, etwa 2000 Personen arbeiteten fortan im Römersteinbruch. Ein Großteil der zivilen Beschäftigten war in einem Barackenlager westlich der unterirdischen Fabrik untergebracht.!

    „Für die Arbeit im Stollenbau und später auch in der Produktion wurden insgesamt mindestens 901, maximal 920 Häftlinge mehrheitlich aus Mauthausen in das Lager eingewiesen, 197 Häftlinge kamen aus dem Außenlager Wiener Neudorf und 66 aus dem Außenlager Peggau. Den absoluten Höchststand erreichte das Lager im September 1944 mit 711 Häftlingen. Mit der Aufnahme der Produktion wurde die Zahl der Häftlinge allmählich um mehr als ein Viertel verringert, diese wurden zum Stollenbau in das Lager Peggau überstellt. Rund 50 Häftlinge wurden nach Mauthausen rücküberstellt, vermutlich erschöpfte und daher nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge, die dort nur geringe Überlebenschancen hatten.
    Immer wieder versuchten Häftlinge, aus dem KZ zu entfliehen, insgesamt sind für Aflenz sechs Fluchtversuche registriert worden, mit welchem Erfolg ist nicht bekannt.“ aus http://www.waechterhunaus.at/home.php?il=5&l=deu

    Der untertägige Steinbruch kann gegen Voranmeldung im Marktgemeindeamt Wagna und damit verbundener Terminvereinbarung besichtigt werden!

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