Geheimnisvolles,  Kurioses,  Lost Place,  Weststeiermark

Bergfriedhof St. Vinzenz

Genaugenommen bereits in Kärnten, aber nur über die Steiermark entlang des Stausees Soboth erreichbar ist die kleine, abgelege Hube St. Vinzenz. War der Ort einst ein europaweit bekanntes Zentrum der Glaserzeugung, so stehen heute neben der Kirche nur mehr wenige Häuser. Am ungewöhnlichsten ist jedoch der Ortsfriedhof – er befindet sich mehrere hundert Meter entfernt von der Kirche mitten im Wald.

Ruhe in Frieden am Bergfriedhof

Die geläufige Grabinschrift „Ruhe in Frieden“ ist hier wörtlich zu nehmen. Der Friedhof von St. Vinzenz befindet sich nämlich mitten im Wald, ohne eigentliche Zufahrt. Kein Autolärm oder Menschengeplauder stört hier die idyllische Ruhe.

Die etwa 20 Gräber sowie der Friedhof selbst sind größtenteils gut gepflegt, erst 2023 wurde hier eine Verstorbene – die wohl nicht mehr direkt in St. Vinzenz lebte – beerdigt. Rührende Inschriften wie jene für die früh verstorbene Irma Tschuchnig zeugen davon, dass auf diesem Gottesacker Beerdigte innigst geliebt wurden. Eines der Gräber stellt außerdem die letzte Ruhestätte einer erst 15-jährigen aus dem Ort dar, die 1964 heimtückisch von einem verschmähten Liebhaber ermordet wurde.

Die Geschichte der Annemarie Edler

Die jugendliche Annemarie Edler war die zweitjüngste von neun Geschwistern, die mit den Eltern in St. Vinzenz lebten. Sie war ins Visier des 28-jährigen Siegbert Krobath geraten, der in sie verliebt war, aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung (die Presse sprach vom „Gnom von St. Vinzenz“) und des jugendlichen Alters der vermeintlichen Braut aber eine Abfuhr kassierte. Der gekränkte Stolz lies ihn zur Waffe greifen, er lockte Annemarie unter einem Vorwand in den Wald und erschoss sie. Der Fall hatte weit über die Grenzen Österreichs Schlagzeilen gemacht und ist auch nach 60 Jahren noch in der Presselandschaft präsent.

Glashütte St. Vinzenz

Wer sich in den kleinen Ort am westlichen Ende des Sobother Stausees verirrt, kann kaum glauben, dass sich in dieser Abgeschiedenheit mal ein Zentrum der europäischen Glas- und Spiegelerzeugung befand, das über 700 Menschen Arbeit bot. Eine Schautafel neben der Kirche erzählt davon, dass die Produkte aus St. Vinzenz Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Preise erhielten und überall in den Nachbarländern heiß begehrt waren. Neue industrielle Prozesse machten der Produktion in St. Vinzenz allerdings den Garaus, 1878 wurde die Fabrik geschlossen. Ein Glasfenster an der Kirche zeugt von der beinahe 200-jährigen Produktionsgeschichte. Warum die BewohnerInnen von St. Vinzenz ihre Verstorbenen allerdings mitten im Wald – und nicht etwa in der Nähe der Kirche – bestatteten, bleibt ein Rätsel.

Den Bergfriedhof erreicht man über eine Forststraße, die am nordwestlichen Ende des Stausees parallel zum Ufer – gegenüber der Kirche und über der Brücke – beginnt. Bei den Weggabelungen hält man sich rechts. Auf Wanderapps ist der Friedhof sogar verzeichnet, allerdings gibt es im Ort keinen Handyempfang. Alternativ kann man etwa 150 Meter nach Beginn der Forststraße (noch vor dem gelben Gebäude, der ehemaligen Volksschule des Ortes) die gerodete Trasse der Gaspipeline hinauf- oder noch besser hinabsteigen, die direkt am Friedhof vorbeiführt und etwas oberhalb des Friedhofs auf die zuvor erwähnte Forststraße trifft.

Weitere spannende Plätze in der Weststeiermark findest du hier!

Anreise

Mit dem Auto:

Navi-Adresse: St. Vinzenz, Stausee Soboth

Nächster E-Ladepunkt: 9112 Griffen, Gewerbestraße 8 (50 kW, ca. 44 km entfernt)

Öffentlich:

nicht öffentlich erreichbar

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Verborgene Steiermark

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen